Willkommen daheim!

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Samstag, 17. September 2016

Transnationale Medienlandschaften

Von außen betrachtet eine recht unscheinbare wissenschaftliche Publikation, deren Inhalt es aber in sich hat: der von Ivo Ritzer und Harald Steinwender herausgegebene Band "Transnationale Medienlandschaften" widmet sich internationalen und vor allem europäischen Koproduktionen. Die Essays der hier versammelten 13 Autoren beschäftigen sich dabei mit so unterschiedlichen Themen wie deutsch-italienischen Ko-Produktionen der 60er und 70er, Franz Antels Wirtinnen-Reihe, dem Neo Giallo oder dem Blaxploitation-Kino.

Im Werkstatt-Teil gibt es ein Interview mit dem legendären Chef der CCC Artur Brauner, ein Interview mit dem Filmkaufmann Hanns Eckelkamp und ein toller Text von Regisseur Dominik Graf zu den drei bekanntesten Thrillern des italienischen Filmemachers Aldo Lado.

Ich selbst durfte einen Text zum Fu-Manchu-Zyklus von Harry Alan Towers beisteuern. Dazu hat mein Eskalierende Träume-Kollege Sano Cestnik Wolf C. Hartwigs Rapid-Film unter die Lupe genommen. Also: eine echte Fundgrube für Cineasten!


Donnerstag, 1. September 2016

"Der Perser und die Schwedin" auf Blu-ray und DVD oder wie ich zu meinem ersten Audiokommentar kam

Es geschah letztes Jahr nach dem Action-Filmfestival KARACHO in Nürnberg. Es war der letzte Tag mit Cobra von George Pan Cosmatos als schönem Schlussfilm. Wunderbare Bilder wie aus einem Giallo mit deutscher Macho Man-esker Synchronisation (eines eigentlich recht komplexen Films, dessen reaganisierter Inhalt nicht mit seinen visuellen Strategien d'accord geht) - ein Stallone-Highlight.

Danach sollte ein Audiokommentar zu Der Perser und die Schwedin aufgenommen werden, diesem obskuren kleinen Film, der auf dem Hofbauer-Jubiläumskongress 2013 lief. Ich habe wirklich nicht erwartet diesen Film einmal wiederzusehen und plötzlich sollte es ein Crowdfunding-Projekt geben, diesen Film auf DVD zu pressen. Wer hätte damit gerechnet? 8.750 € waren nötig, um den Film zu retten und die wurden dann auch tatsächlich gefunden (und damit hätte nun wirklich niemand gerechnet). Aber das wusste man in dieser milden Novembernacht noch nicht.

Der Kommentar wurde im Büro des Kommkinos aufgenommen, in einer verraucht weinseligen Stimmung. Ich wollte eigentlich nur still und heimlich zusehen, wie Projektinitiator Christoph und die Experten Silvia, Sano und Marian über den Film reden, den ich nur einmal gesehen hatte und den ich nur verschwommen in Erinnerung hatte. Und nach 45 Minuten wurde ich plötzlich gefragt: "Und, was meinst du dazu, Sven?" Ich hätte rausrennen können, aber ich wollte den Take nicht versauen und hab dann mitgemacht. Es war ein großer Spaß, auch wenn ich nur drei, vier Sätze sage. Der Film hätte gerne auch länger sein können. Die stummen Schwarzweißbilder, das gedimmte Licht im Büro, der Rotwein, die späte Uhrzeit, die Leute, all das hat zu einer intensiv somnanbulen Dynamik beigetragen. Dazu ist der Kommentar für einen One-Take schon überraschend gelungen, auch wenn er sich auf der DVD viel akademischer anhört, als die Atmosphäre, in der er entstand, tatsächlich gewesen ist. 

Damals war noch nicht sicher, ob der Kommentar tatsächlich auf der DVD erscheint. Doch irgendwann Anfang des Jahres wurde sogar bekannt, dass beim ehemaligen deutschen Verleiher allerlei Zusatzmaterial gefunden und dass es plötzlich möglich wurde, die originale Fassung des Films zu rekonstruieren. Ein wenig ironisch ist es schon: seit Jahren wartet man darauf, dass Orson Welles' (vermutlich seiner Zeit vorauseilender) The Other Side of the Wind endlich einmal in einer rekonstruierten Fassung zu sehen sein wird (der sich seit Jahren in einer Art Post-Production Hell befindet), doch zwischen der ersten Sichtung der Schwedin im Rahmen des 10. Hofbauerkongresses und dem Erscheinen der Blu-ray/DVD vergingen nur drei Jahre. Manchmal erweisen sich die kleinen, verwaisten Filme als die pflegeleichtesten. Jetzt brauche ich nur noch einen Blu-ray-Player...


Montag, 22. August 2016

Nollywood Madness - Ein Besuch in einem Afrikanistik-Archiv



An einem heißen Julitag hatte mich der Filmemacher und Cineast Gary V. eingeladen, mit ihm das Afrikanistik-Archiv der hiesigen Universität aufzusuchen. Dort sollte sich ein reichhaltiger VHS-Fundus befinden, der für den Freund abseitiger Filmkunst eine Reise wert sein sollte. Was sie auch definitiv war. Wir haben zwar nur einen Film komplett sichten und andere nur "probieren" können, dafür war der Eindruck schon vielversprechend. Wir haben uns einen kleinen Überblick über Komödien, Dramen, Polizeifilme, Fantasyfilme und mehr verschafft, allesamt aus Nigieria oder Ghana, mal auf Englisch, mal auf Hausa, auf Video gedreht und von stark divergierender Qualität.


Dieses Festmahl stammt aus dem obigen Film "Dangerous Desire" und wird von dem Protagonisten genüsslich verputzt, bis plötzlich ein Streit zwischen ihm und seiner Freundin (der Wunderköchin) ausbricht.

Der Film Kokotako (Parasite) oder zumindest die VHS-Hülle verspricht "Jokes! Commedy! Varieties of Entertainmments" und so beginnt der Film auch: ein Mann im knallroten Pullover (das auf Video besonders knallig rüberkommt) sitzt auf einem Ast und sägt diesen ab, bis er runterfällt. Slapstick! Jokes! Und so weiter...



Aber was erwartet man auch von einem Film, der mit folgendem Warnhinweis beginnt?

Police Officer ist ein eher improvisiert wirkender Film über einen Polizisten, der suspendiert wird und in einer anderen Stadt einfach seine Uniform wieder rausholt, um etwas Machtmissbrauch zu betreiben. Komödie und Korruptionsdrama zugleich, kommen am Ende auch noch übernatürliche Kräfte an Bord: Ein weiblicher Geist spielt unserem Polizisten einen argen Streich.




So viele Filme, so wenig Zeit. Gerne hätten wir noch weiter dem Delirium von The Snake Girl 2 zugeschaut oder den Horrorfilm End of the Wicked angesehen. Aber wir kommen wieder...