Willkommen daheim!

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Donnerstag, 26. Juni 2014

Textbühne #4 in Mainz

Am 22.07.14 findet die nun vierte Textbühne statt, diesmal im Mainzer KUZ. Eine gute Gelegenheit für für Leute, die schreiben, und Leute, die Lust auf neue Texte haben. Ich freue mich, zu den fünf Autoren zu gehören, die den Abend bestreiten. Die Musik an diesem Abend spendiert mein Kollege Hilleke. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig. Kommt vorbei!




Mittwoch, 18. Juni 2014

Woodys Beste - Randnotizen zu Mickey Rose und Marshall Brickman

Szene aus "Simon" (1980)

Viele Filmemacher sind neidisch auf den Status von Woody Allen. Jedes Jahr darf er einen Film machen, und kriegt sogar noch genug Publicity, um im Gespräch zu bleiben. Vor nicht allzu langer Zeit hat er mit „Midnight in Paris“ sogar seinen größten Erfolg verbuchen können, und Cate Blanchett gewann den Oscar für „Blue Jasmine“.

Doch auch sein autonomer Auteur-Status kam nicht von ungefähr, diesen hat er sich mithilfe vertrauter Kollaborateure erarbeitet. Und obwohl er heute vor allem als alleiniger Autor bekannt ist, haben ihm zwei Freunde den Weg dafür geebnet: Mickey Rose und Marshall Brickman.

All these years, I’ve been secretly naked underneath my clothes.“
„Student Bodies“ (1981)

Allens erste Hollywooderfahrungen haben ihm gar nicht zugesagt. Die Dreharbeiten zur James Bond-Parodie „Casino Royale“ empfand er als dümmlich dekadente Angelegenheit, und sein erstes Skript „What’s new, Pussycat?“ wurde gerade in der zweiten Hälfte zu einem wirr durchgeknallten Swinging London-Unsinn, der zwar Spaß macht, aber den Urheber eher ernüchtert zurückließ. Seitdem legte er viel Wert auf die richtigen Mitarbeiter. Seine ersten Skripts schrieb er, viel intimer geht es kaum, mit seinem Schulfreund Mickey Rose. Allens ersten Filme, „What’s up, Tiger Lily?“, „Take the Money and Run“ und „Bananas“ sind weniger Filme als Nummernrevuen, für die die Beiden Gags am laufenden Band produzierten. Die Filme sind anarchisch, spöttisch, albern, und nehmen Politik, Gesellschaft und Popkultur gleichermaßen aufs Korn. Es wäre daher zu einfach, Allens erste Slapstickfilme (oder Slapstick überhaupt) als oberflächlich abzutun, als „reine“ Komödien, die nichts anderes wollen als die Leute zum Lachen zu reizen. Gerade „Bananas“ ist in seiner politischen Unverfrorenheit von ungeheurer Frische. Noch heute kann man nur staunen, wie clever hier Staat und Gesellschaft vorgeführt werden. Die Überhöhung durch den rasend-surrealen Witz bringt Allens Thesen über Demokratie und Diktatur, gesellschaftliches Engagement, Medien und Justiz auf den Punkt. 
Mickey Rose war vor allen Dingen ein Gag-Lieferant, worauf er auch seine Karriere aufgebaut hat. Deswegen blieben seine Kinoausflüge auch eher sporadisch. Seinen einzigen Regie-Credit für die Slasherfilmparodie „Student Bodies“ hat er sich nicht als Künstler, sondern als Strohmann verdient: wegen eines Streiks der Writer’s Guild musste Regisseur und Produzent Michael Ritchie im Hintergrund bleiben. Rose übernahm quasi Allens Rolle aus Martin Ritts „The Front“, und gab sich als alleiniger Regisseur und Autor der Posse aus.

„Nothing lasts forever. Not even a toaster.“
„Simon“ (1980)

Marshall Brickman ist der andere wichtige Name, der für Allen richtungsweisend war. Brickman begann als Musiker (Soundtrack für „Deliverance“), wurde dann Witzeschreiber, und freundete sich irgendwann mit Woody an. Die Beiden begannen Skripts miteinander zu schreiben. Funktionierte „The Sleeper“ noch ähnlich wie „Bananas“ & Co., ebnete „Annie Hall“ den Weg zum „ernsten“ Film. Allen sollte diesem Impuls mit „Interiors“ endgültig nachgeben.
„Annie Hall“ und „Manhattan“, so unterschiedlich beide von der Inszenierung her sind, befassen sich beide sehr nachdenklich mit den Themen Liebe und Beziehung, und haben einen eher pessimistischen Unterton.
Danach gingen beide getrennte Wege. Und Brickman, auch aufgrund des Drehbuch-Oscars für „Annie Hall“, sah seine Chance gekommen, als Regisseur zu reüssieren.
Sein erster Film „Simon“ ist eine einfallsreiche Satire mit Sci-Fi-Elementen, die von ihrer Attitüde her stark an „The Sleeper“ erinnert. Der Uni-Prof Simon (göttlich: Alan Arkin) wird von einem geheimen Think Tank der US-Regierung zum Versuchskaninchen: ihm und den Medien wird eingeredet, er wäre ein Außerirdischer. Ziel des Versuchs ist es, einfach zu schauen, wie die Leute darauf reagieren. Doch die Situation gerät außer Kontrolle, wenn Simon seine Verantwortung wahrnimmt, sich als Messias geriert, und die Welt mit der Macht seiner öffentlichen Präsenz verändern will. Er soll eliminiert werden.
„Simon“ ist ein Rundumschlag gegen die Regierung, Medien, Sekten, Machtmenschen und Egozentriker (wie Simon selbst). Im Gegensatz zu heutigen Filmen, die der Kredibilität wegen einen (stets falschen) Naturalismus demonstrieren müssen, traut sich „Simon“ einfach, Verrücktheiten und exzentrischen Blödsinn abzufeiern: der fünfköpfige Think Tank, zu dem übrigens auch Wallace Shawn, William Finlay und das Familienoberhaupt aus „Alf“ gehören, kommunizieren häufig mit einem allwissenden Computer, der wie ein riesiges Telefon aussieht, und auf den Namen Doris hört. Die Sektenmitglieder, zu denen Simon im letzten Drittel des Films stößt, beten das Fernsehen an. Ein Auszug aus der Predigt: „And after seven years, ‚Mary‘ was cancelled. And after ten years, ‚Lucy‘ was cancelled, yeea! Even after twelve years, was ‚Uncle Miltie‘ cancelled. Thus are we all cancelled eventually!“
Ein Highlight ist ohne Zweifel die Szene, in der Simon die gesamte Menschheitsentwicklung in fünf Minuten nachvollzieht. Das muss man gesehen haben. Arkin war selten besser.
Brickmans zweiter Film „Lovesick“ war leider nicht so überzeugend, sondern erinnert an eine mäßige Woody Allen-Kopie. Die Geschichte um einen verliebten Psychiater bietet zwar viel Potential und auch eine Menge Freud-Witze, aber der Funke springt nicht über, und die Energie des Erstlingswerks ist verpufft, trotz der illustren Besetzung, bestehend aus Dudley Moore, Elizabeth McGovern, Wallace Shawn, Alec Guinness als Freud (!), John Huston (!!), sowie anderen bekannten Schauspielern und Filmemachern.
Von seinem dritten Film „The Manhattan Project“ hatte ich mir persönlich nichts erhofft. Zu Unrecht. Selten hat mich ein Film so überrascht: ein ebenso witziger wie satirischer Thriller um einen genialen Schüler, der eine Atombombe baut, um damit einen Wissenschaftswettbewerb zu gewinnen. John Lithgow spielt den naiven Wissenschaftler, der vom Militär gegen ihn ausgespielt wird. Und obwohl ich mich stets vor ihm gegruselt habe (dank Brian de Palma), war er hier unerhört verletzlich. Eine sehr filigrane, subtile Vorstellung vom Meister der Überzeichnung.
Dazu hat der Film unglaublich spannende Sequenzen zu bieten. Brickman ist auch als Regisseur gereift.
Was alle seine Filme eint, ist ihr latent rebellischer Gestus. Er erzählt von Individuen, die sich der Enge ihres Spielraums stets bewusst sind; die ihre Grenzen stets ausloten; die lieber ihrer Überzeugung folgen, als sich der Spielregeln zu beugen. Garniert mit manchmal albernem, manchmal lakonischem Humor ist das geradezu unwiderstehlich.
Doch waren seine Filme nicht sonderlich erfolgreich, also war irgendwann Schluss mit Regieführen. Dafür hatte er Erfolg als Librettist des „Addams Family“-Musicals und des Musicals „Jersey Boys“. Erst Musiker, dann Witzeschreiber, dann Drehbuchautor, dann Regisseur, schließlich anerkannter Librettist. Eine Karriere, die er selbst nicht zum Nachmachen empfiehlt. Trotz anfänglichem Erfolg hat er eher angeeckt als sich dem gleichmacherischen Hollywood-Apparat hingegeben. Doch es ist schön zu sehen, dass Talent irgendwann doch seine Nische findet.
In einem Interview aus den frühen Achtzigern sagte er, dass er gerne einen Film pro Jahr drehen würde. Doch das war in Hollywood lediglich Woody Allen vergönnt.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Kultur und Botanik



Dies ist die erste von vielen Geschichten über Erik Wasilewski, einem nutzlosen Studenten, der sich für den nächsten Marcel Proust hält.




Es war schon halb eins, doch ich klickte mich noch immer durchs Netz, auf der Suche nach Literaturwettbewerben. Keine Ahnung, ob ich masochistisch veranlagt bin oder bloß optimistisch, aber ich war wieder bereit, meine Texte auf die Welt loszulassen. Und zuzusehen, wie irgendwelche Nieten die Hauptpreise abstaubten, während ich wieder leer ausging, und gezwungen war, in meinem Kellerloch zu bleiben und zu schreiben.
Ich schreibe noch nicht einmal mehr aus Überzeugung, sondern weil ich mich daran gewöhnt habe. Vor zehn Jahren habe ich vielleicht noch Spaß dabei gehabt, Geschichten zu erfinden, und sie meine Freunde lesen zu lassen. Ich musste sie noch nicht mal jemandem zeigen, der schiere Akt des Fabulierens und Drauflosschreibens war einfach großartig. Damals kannte meine Fantasie keine Grenzen. Ich schrieb über Vampire, Barbaren, Außerirdische, aber auch über Freunde und Freundes Freunde. Alles war aufregend. Heute ist nichts mehr aufregend, aber so läuft das wohl. Heute schreibe ich jedenfalls besser als vor zehn Jahren. Das nennt man wohl Fortschritt. Der Erfolg allerdings hat sich noch immer nicht eingestellt. Aber was heißt schon Erfolg? Ich will ja keinen Nobelpreis oder eine Million auf der Bank (obwohl...). Ich will Feedback. Und ich will verlegt werden. Claudia Effenberg wurde verlegt. Ich will nicht sagen, ich hätte doppelt so viel zu sagen wie sie, denn sie hat ja nichts zu sagen. Aber Claudia Effenberg wurde verlegt. Da wäre es nur fair, wenn ich auch eine Chance bekäme. Vielleicht ist das ja der Schlüssel. Sex. Der Freund von einem C-Promi werden, der Freund von Micaela Schäfer zum Beispiel. Natürlich weiß in spätestens zwei Jahren kein Mensch mehr, wer das ist, aber das ist immer noch genug Zeit, um sich zu etablieren. Aber auch die Micaela will sich nicht mit weniger bekannten oder reichen Typen als sie selbst abgeben. Nur den Männern ist der Status einer Frau scheißegal, Hauptsache, die straffen Brüste wippen im Takt zu 50 Cent auf dem italienischen Ledersofa. Ich kann’s ja verstehen.
Hier, ein neuer Wettbewerb: „Kurzgeschichten zum Thema: Die Zeiten ändern sich – ‚The Times they are a’changin‘. Bob Dylan hat es zu seiner Zeit am besten ausgedrückt. Und heute ist es nicht anders! Was durchlaufen wir doch für einen ständigen Wandel, dank Google, Facebook, Smartphone & Co. Das hat viele Vorteile, doch bleibt auch einiges auf der Strecke. Wann habt ihr zuletzt angehalten um an einer Blume zu riechen? Wann wart ihr zuletzt im Bus, und habt mal keine Mails gecheckt? Wann wart ihr das letzte Mal in eurer Stadtbücherei? Und was glaubt ihr wie verwirrt eure Großeltern erst sein müssen, bei dem ganzen Trubel? Das pfälzische Institut für Kultur und Botanik schreibt zum dreißigsten Mal seinen Kurzgeschichtenwettbewerb…“
Und so weiter. Wenn bereits die Vorgaben der blanke Horror sind, wie muss man sich erst die Beiträge vorstellen? Und wer sitzt in der Jury? Grundschullehrer und Landschaftsgärtner, Durchschnittsalter 75? 1. Preis: eine Darmspiegelung? 2. Preis: zwei Darmspiegelungen? Und so fort.
Mit so was muss man sich rumschlagen, wenn man noch nicht angekommen ist in dem großartigen Literaturbetrieb, mit Bestsellerschwachsinn auf der einen und Burkhard Spinnen und Peter Handke auf der anderen Seite. Und mittendrin Daniel Kehlmann. Man kann wohl nur verlieren. Aber hey, es ist mittlerweile nach eins, und meine Gedanken drehen sich nur noch im Kreis. Ich sollte ins Bett. Hat jemand die Nummer von Michaela Schäfer?

Montag, 9. Juni 2014

Bald!

Neulich hat man mir von dieser neuen Erfindung erzählt: dem Internet. Ich war total gebannt, als man mir erklärte, was man damit alles machen konnte. "Das kann ich auch", hab ich mir gedacht. Deshalb werden hier demnächst (oder bald) Kurzgeschichten, Filmtexte, und allerlei Kurioses gepostet.