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Donnerstag, 31. August 2017

Broadway Jungle (1955)


This is the Hollywood Jungle. Looks innocent enough, but behind all those studio fronts, that's another story.

Der Geist von Nathanael Wests Day of the Locust weht durch diesen Film. Hexenkessel Hollywood. Dies ist sie, die Geschichte hinter den blumigen Apologien, den glitzernden Fassaden, den nicht zu ende geträumten Träumen! (Also, wieso dann Broadway Jungle?)
Der allwissende Voice-Over-Kommentar stellt uns mit besoffener Stimme die Protagonisten vor: Fletcher, der Möchtgernregisseur; George Gomez, genannt Georgie Boy, Juniorproduzent dank gestohlenem Mafiageld; Lina, die abgehalfterte Schauspielerin, die auf ihr Comeback wartet; Bruno, der stumme Killer („If he gets caught, he can't talk!“); und der namenlose Boss, der sein Geld zurückhaben will.

Der Boss...

Phil Tucker zeigt verkommene Mobster, eitle Manipulatoren, blonde Dummchen und andere Lebenskünstler, die durch sein klaustrophobisches Setting geistern, das aus kalten Gebäudefassaden, anonymen Straßen und kargen Zimmern besteht. Verwackelte Bilder und enigmatische Perspektiven werden zusammengehalten von einer wirren Montage. Unterbelichtete Szenen ohne Ton, die mit unpassender (Archiv?-)Musik überzogen werden, fallen über den Betrachter her. Spannungssequenzen transzendieren sich selbst, weil sie so quälend lang dauern, dass man von einer existenziellen Müdigkeit erfasst wird (Paul Schrader nennt so etwas „Transcendental Style in Cinema“). Zahlreiche Irritationen reihen sich aneinander. Die Figur von Lina wird zum Beispiel meist aus dem Off synchronisiert. Ihre Stimme klingt dabei so einschläfernd wie die Stimme von HAL aus 2001 – A Space Odyssee. In einer Szene sieht man Lina sich endlos lang anziehen, während Georgie Boy konzentriert seine Zigarette raucht. Die Musik ist erst heroisch, dann spannungsgeladen, dann sorgenvoll, dann angsteinflößend. Schließlich küssen sich Lina und Georgie Boy. „Oh, Georgie Boy!“, haucht die sanfte Computerstimme aus dem Off.


 







Die Schauspieler hat Tucker wahrscheinlich direkt von der Straße geholt, wenn man ihr Talent in Betracht zieht. Andererseits haben sie auch eine gewisse Präsenz auf der Leinwand, vor allem der schmierige Gangsterboss, auf dem die Kamera manchmal eine Ewigkeit verweilt, ohne dass man versteht, warum (Transcendental Style eben).
Überhaupt scheint Tucker permanent Zeit zu schinden. Der Film muss wohl aus dem Moment heraus improvisiert worden zu sein, eine günstige Gelegenheit, nach dem Motto: „Willst du einen Film drehen? Du hast drei Tage!“ Vielleicht waren es auch nur zwei.

"Willst du einen Film drehen? Du hast drei Tage!"

Nach einem Film wie Robot Monster, der im Vergleich wie ein starbesetzter Blockbuster wirkt, ist Broadway Jungle, was das production value angeht, natürlich ein Rückschlag. Aber es sollte nicht mehr lange dauern, bis Tucker mit Cape Canaveral Monsters nochmal beweist, dass er einen Film machen kann, der auch wie einer aussieht. Das ist auch schön, denn im Vergleich zu seinen filmischen Schnellschüssen ist Ed Wood Stanley Kubrick. Doch dann wäre Tucker Ed Wood und das ist auch nicht schlecht. Sein übriges Werk, soweit auffindbar, steckt voller Überraschungen, Surrealismen und wagemutigen Experimenten, die den Zuschauer meist verwirrt und ratlos zurücklassen, aber auch seltsam beglückt. Aber wie soll man mit seinem oberflächlichen irdischen Verstand auch einen Film bewerten, der offensichtlich nicht von dieser Welt ist? Und wie soll man einen Regisseur bewerten, der sein eigenes schwarzes Loch ist, das noch immer seiner Entdeckung harrt?
 
"Public Domain?"

Erhältlich bei Something Weird Video

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